Sonntag, 12. Mai 2013

Hobel sind Präzisionsinstrumente ...


und vor allem wenn sie aus Holz sind sehr empfindlich. Ein gut eingestellter Hobel nimmt grade mal ein Hundertstel dicke Späne ab. Das bedeutet aber auch, dass die Geometrie des Hobels in eben dieser Größenordnung stimmen muss. Leider verändert Holz seine Größe mit der Luftfeuchtigkeit, Holz arbeitet eben.


Um diesen und anderen Unbillen zu trotzen, schützt man empfindliche Werkzeuge üblicherweise durch eine Werkzeugkiste (oder einen Schrank, der ist aber erheblich schlechter zu transportieren). Am besten eine möglichst dichte, die Feuchtigkeit gar nicht erst eindringen läßt. Voila !


In einer ausgeglichen temperierten Werkstatt reicht das aus, in einem feuchten Keller nicht :-( Dabei ist nicht einmal der tatsächliche Wert entscheidend, sondern die Schwankungen. Aber wie vermeidet man die ?

Die erste Idee war eine Heizung: Im Inneren der Werkzeugkiste angebracht, erhöht sie erstens die Temperatur (und senkt damit die relative Feuchtigkeit) und sorgt zweitens durch Konvektion durch die unvermeidlichen Lecks in der Hülle der Werkzeugkiste für einen Abtransport der eingedrungenen Feuchtigkeit. Doch wie ? Zu viel Heizleistung ist ja auch eher kontraproduktiv, wegen Energieverschwendung und dann viel zu warmen und zu trockenen Werkzeugen, die sich dann beim ersten Kontakt mir der Umgebung verziehen. Also nur ein paar Watt.

Nach längerer (na ja, so lang war das gar nicht) Überlegung die Lösung: Ein LED-Streifen von 2m Länge liefert die grob überschlagen nötige Heizleistung:

Vermutlich bin ich einer der wenigen Menschen mit einer beleuchteten Werkzeugkiste ;-)
Sieht - ehrlich gesagt - auch etwas dekadent aus, wenn man den Deckel aufmacht, vielleicht stelle ich irgendwann mal auf eine inverse Kühlschrankbeleuchtung um: Leuchtet nur, wenn der Deckel zu ist.

Idee gut, Ergebnis leider nicht überzeugend: Bringt etwa 0,2 Grad und knapp 3 Prozent weniger Luftfeuchtigkeit .... Nächster Versuch.

 Vielleicht erstmal messen .... also eine kontinuierliche Messung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit installiert. Für die "normalen" Anwendungen arbeiten wir ja mit  Datenloggern, aber für diesen Zweck ist das zu mühsam: Alle paar Tage in den Keller gehen, den Windows-Rechner hochfahren um die Auswertesoftware zu starten, Daten runterladen, in Excel transferieren usw. Das dauert insgesamt etwa eine halbe Stunde, zu viel für die regelmäßige Verwendung. 

Normalerweise hätte ich das zähneknirschend akzeptiert. Aber da ich zur Zeit sowieso gemeinsam mit einem Startup an einer Lösung zur industriellen Datenerfassung bastle, stapeln sich die Sensoren, Controller, Funkmodule usw. sowie auf meinem Schreibtisch also musste eine professionelle Lösung her

Ein Carambola Board und ein Feuchtesensor mit digitalem Ausgang liefern nach etwa einem Tag fluchen über die I2C tools unter Linux (die nämlich exakt nicht den I2C Bus unterstützen sondern nur so etwas ähnliches und deshalb zu einem Tag verschärftem debugging und bare metal Programmierung führen - dazu demnächst mehr) ein System, das die Temperatur und Luftfeuchtigkeit in meiner Werkzeugkiste misst und (mehr oder weniger - auch dazu demnächst mehr) live ins Internet bringt.

Hoch interessant, was man mit geeigneten Sensoren alles messen kann ....

Man sieht sehr schön, wie ich etwa am 27.4. am späten Nachmittag kurz zum Basteln in den Keller gegangen bin, die Feuchtigkeit steigt um gigantische 0,4% innerhalb weniger Minuten ...
Wenn drei Erwachsene (?) mit aller Hingabe an Bumerangs basteln, sieht das noch mal ganz anders aus:

3,6% in nicht mal einer halben Stunde ! Big Data ist was Feines ....
Wer sich selber den aktuellen Stand anschauen will, findet den (wenn ich nicht grade an der Hardware bastle) hier.

Conclusio

Erstens: Die Luftfeuchtigkeit konnte durch den Einsatz eines modernen Controllers mit WLAN-Interface nicht nur beobachtet, sondern um etwa 10% gesenkt, die Schwankungen erheblich reduziert werden. Insbesondere dadurch, dass der Controller und vor allem das WLAN-Interface so viel Strom verbrauchen, dass die Heizleistung zu eben diesem Effekt führt. Arduino und ZigBee, sie leben hoch !

Zweitens: 
Es ist inzwischen mit minimalem Aufwand (etwa 50 Euro und ein Tag Arbeit) möglich, sich einen "Internet-Kühlschrank" oder eben eine Internet-Werkzeugkiste zu bauen, ohne Experte zu sein (Ich bin Wirtschaftsinformatiker, kein E-Technik-Ingenieur).

Drittens:
Die Datenlogger, die wir bisher zur Messung von Temperatur und Feuchtigkeit verwendet hatten, zeigen die Temperatur recht genau (paar Zehntel Grad), aber die Feuchtigkeit zwar untereinander konsistent, aber absolut um etwa 6% zu niedrig an (ich traue den einzeln kalibrierten Luxus-Sensoren mit garantierter Maximalabweichung von 2% mehr als den China-Billigteilen. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass hier der Sensor etwa soviel gekostet hat, wie der komplette Datenlogger). 

PS: Die allererste Idee zur Lösung des beschriebenen Problems war die Regulierung der Luftfeuchtigkeit durch wasseraufnehmende Salze, gibt's in jedem Baumarkt für wenig Geld, muss man aber regelmäßig kontrollieren und auswechseln. Nicht eben elegant. Wenn nichts anderes hilft, werde ich darauf zurück kommen, aber so leicht gebe ich nicht auf !

Sonntag, 5. Mai 2013

Was man auf den ersten Blick nicht sieht ....


ist, dass hier 25 Jahre abgelagertes Kirschholz brennt. Wie es dazu kam:

Ich bin vor ein paar Wochen (über ebay) günstig an knapp einen halben Kubikmeter Kirschholz gekommen. Unter anderem war es deshalb günstig,  weil es bereits einer Familie von Holzwürmern als Wohnung und Nahrung gedient hatte ....

Befallen war zwar nur der Randbereich, aber da ich mir nicht ganz sicher war, ob die Tierchen schon wieder ausgeflogen waren, konnte ich das Holz so nicht auf die Bühne bringen (Dachstuhl).

Also schnell (ha ha ha) die befallenen Bereiche entfernt, heißt hier, die Dielen besäumt, irgendwann muss man das ja eh machen. Mangels Alternativen mit der Handkreissäge.

Dielen mit einer Stärke von gut 40 bzw. 50 mm. Das ist selbst mit einem frisch geschliffenen passenden Sägeblatt eine ziemliche Herausforderung für meine kleine Festool AFT55. Zwischendurch hatte ich immer mal Angst um die arme Kleine ....

Nochmal werde ich mir das nicht antun ! Drei randvolle Staubsaugerbeutel voll Holzstaub. Dass die voll waren, hatte ich jeweils erst zu spät gemerkt, unter anderem deshalb sieht die Werkstatt jetzt nicht mehr ganz so sauber aus, wie gewohnt. Bei passender Gelegenheit muss eine für solche Aufgaben geeignete Säge her. Wenn ich ein Plätzchen gefunden habe, werde ich wohl im Sommer eine schnucklige kleine Bandsäge adoptieren ;-)
.

Aber jetzt ist es geschafft. Das Holz liegt noch zwei oder drei Wochen, quasi in Quarantäne, im Vorratskeller, dann kommt's auf die Bühne zur späteren gefälligen Verwendung. Ich habe nicht vor, mit diesem Holz irgendwelche größeren Projekte zu bauen, die Idee ist, etwas Holz vorrätig zu haben, um etwa Spielzeug zu basteln.

Deprimierend finde ich immer die Menge an Abfall, die beim Besäumen entsteht .... in diesem Fall drei große Kisten voll. Mir fällt es immer schwer, Holz wegzuwerfen, selbst aus kleinen Stückchen kann man immer noch mal etwas sinnvolles bauen. 

Aber hier ist leider der Wurm drin. Also weg damit. Und zwar möglichst schnell. Dafür dann auch noch zu bezahlen, würde ich aber doch nicht übers Herz bringen, also in den Ofen damit. Hoffentlich bleibt's noch ein paar Tage kühl ;-)



Sonntag, 28. April 2013

Bauplan für mehr Freiheit


Vielleicht kennen Sie das. Irgendwann denkt man „So!“, reibt sich die Hände und legt los.

Irgendwie erging es mir gestern so. Denn eigentlich liegen sie schon lange da. Und warten auf den Einbau. Wir reden hier über die Türklinken. Die Perspektive, mal bei Bedarf Türen schließen zu können (z. B. wenn der Hund 5 kg Schnee am Bauch hängen hat und den in der Küche abtauen sollte oder wenn es verdächtig still ist, was üblicherweise darauf hindeutet, dass das Kind sich im Arbeitszimmer mit Papas Speicheroszi vergnügt), ist eine so ungewohnte wie unglaublich weitreichende.

Nun sieht ein Standardbausatz folgendermaßen aus:


„Durchstecken – anschrauben – fertig“. Kann bei uns in der Art tatsächlich in EINER Tür verwendet werden, der Küchentür. Weil die nämlich kein Kastenschloss hat. Im Gegensatz zu den anderen 11 Zimmertüren im Haus (Gangtür und Kellertür erfordern nochmals andere Sonderlösungen). Für die sind Umbauarbeiten notwendig. Und die einzelnen Schritte habe ich mir gestern von Till erklären lassen:

Man wähle sich eine Tür aus und merke sich wie herum diese geöffnet wird und an welcher Seite sich das Kastenschloss befindet oder mädchenmäßig sucht man den weißen Lackmalstift und markiert sich das einfach.

Man entfernt den Wellen-Sicherungsring für die Demontage der Rosette an beiden Türdrückern. Das ist eigentlich der schwierigste / aufwendigste Punkt bei der ganzen Geschichte. Sehr mühsam, trotz geeignetem Werkzeug:


Um tatsächlich die Mitte finden und körnen zu können, einmal waagrecht die Feile drüberziehen:


Anschließend bis zum Hohlraum eine 4 mm Bohrung setzen und ansenken:


Damit man ein 5 mm Gewinde für die Madenschraube schneiden kann:


Anschließend wird an dem Türdrücker, der an dem Kastenschloss montiert werden soll, die Welle der Rosette abgesägt:


Auf den Partnergriff kann dagegen die Rosette jetzt wieder mit Hilfe des Sicherungsringes montiert werden.

So, raus aus dem Keller und zur bei Schritt 1 ausgewählten Tür, mit den nach diesen Schritten vorbereiteten Türdrückern, einem ausgetauschten (jetzt Spalt-) Stift und der „Montagekiste“:


Die Madenschraube in den kastenschlossseitigen Türdrücker drehen (natürlich wenn der Stift drin sitzt) und durch das Loch stecken. Jetzt folgt der zweite etwas kritische Moment: Die Beschläge von Farbe freikratzen (okay, okay, fällt in die Kategorie „lernen durch Schmerzen“, hätte man auch vor dem Lackieren behandeln können):


Wenn sich die Beschläge gut bewegen lassen, kann der zweite Türdrücker aufgesetzt und die Rosette arrangiert werden. Bohrungslöcher anzeichnen und Bohrmaschine anschalten:


Rosette festschrauben, Madenschrauben anziehen, freuen:


Nach diesem Wochenende fehlen nur noch vier Türen, also nicht mehr viele :-)  Und obwohl es nur eine Kleinigkeit ist, ist die Wirkung optisch doch enorm. Und der Nutzen gigantisch :-) 

Was der werte Gatte in dieser Zeit so getan hat, wird er – falls er bis dahin fertig wird – am nächsten Sonntag berichten.

Wobei ich noch einen kleinen Nachtrag präsentieren möchte. Weil es im weitesten Sinne zum Thema Tür gehört und es bereits einen eigenen Artikel darüber gab. Gibt’s nämlich für 7 ₤ käuflich zu erwerben. Wird üblicherweise für Ecken verwendet, wenn ohne Gerung gearbeitet wird. Haben wir jetzt auch:


Aber natürlich ist der selbstkonstruierte viel, viel besser *hüstel* 

Sonntag, 21. April 2013

Noch mehr [ˈha͜ifi] *


Seit der Geburt des Kindes vor über zwei Jahren stand eigentlich fest, dass selbiges unbedingt mal eine Messlatte (oder so was in der Art) braucht. Käuflich erwerbbare Exemplare kollidierten in Farbe und Motiv leider häufig unweigerlich mit der rosaallergischen Antiprinzessinnenhaltung der werten Frau Mama. Selber machen, in diesem Haushalt eine gängige Variante zur Zeitvernichtung des Wegs zum Glück, kollidierte leider häufig unweigerlich mit der Kompetenz der werten Frau Mama. Also mit der künstlerischen Inkompetenz, um genau zu sein. Denn die meisten der Vorlagen sind sehr bunt und bildreich, aber Pinselführung fällt nicht in die Rubrik meiner Stärken. Brennen, eine andere, an sich recht schöne Option, ebenso wenig. Und vor allem, um hier mal auf des Pudels Kern zu kommen: So gut wie alle (zumindest habe ich keine anderen Versionen gefunden) dienen der aktuellen Anzeige. Ich wollte aber zugleich eine Dokumentation (weil ich Dokumentationsfetischistin bin, weil ich es schön finde und überhaupt).

Zwischenzeitlich lag die Präferenz klar auf Kerben im Kinderzimmer-Türrahmen…

Daher gibt es jetzt neben magnetischen Speichern, optischen Speichern, magneto-optischen Speichern, dynamischen Halbleiterspeichern, statischen Halbleiterspeichern, Flash-Speichern und weiteren Speichern nun auch DEN:

Haispeicher.

Denn neulich, beim Morgenspaziergang mit dem Hund (ich lasse unerwähnt dass wir über 5 Uhr morgens reden, weil mich dafür manche Menschen grundlos für bescheuert halten würden), hatte ich, permanent über eine wenig mal-intensive Eigen-Variante nachgrübelnd, folgende Idee: Schlitze statt Farbe / Brennen. Oder Löcher. Genau, einen Baum, mit Löchern und – Spechten. Die überschlagene Größe des Baumes (also der Krone) bei einem Stamm (also der Messlatte) von 150 cm ergab für halbwegs ansehbare Proportionen nichts wirklich Praktikables. Okay . . . Ein Hochhaus? Mit Schlitzen, die in Fenster enden, die man separat aussägt und beschriftet? Löcher. Mit Mäusen? Wegen Mausloch und der spitzen Schnauzen?! Genau, gute Idee! Aber auf der Suche nach Mäusen (mit spitzen Schnauzen) bin ich beim Blättern in meinem Buch „222 Vorlagen Tiere“ (TOPP-Verlag) über die Haie gestolpert und habe daraus die nachfolgende Messlatten-Idee abgeleitet und realisiert. Quasi „designed für künstlerische Inkompetenz“ . . .

Material: Manchmal, ja manchmal, ich muss es gestehen egal wie peinlich es ist, kommt mein schwäbisches Erbe unpassenderweise zum Vorschein. Meiner aktuellen Präferenz für feinstes finnisches Birkensperrholz (6 mm) folgend war das natürlich das Material meiner Wahl. ABER natürlich nur die Reste bitte sehr. Also musste ich erst noch diverse Bumerangs aussägen, um zu Resten zu kommen ;-)


Neben den Haien wurden, ebenfalls mit der Laubsäge, noch einige Seesterne ausgesägt. Und anschließend beides mit den osmo-Dekorwachsen, die ich auch für andere Laubsägearbeiten (Puzzle) verwendet habe, angemalt. Doch vor den Anstrich haben die Götter das Sägen (klar), das zweimalige Schleifen (grob + fein), das Wässern sowie das Feinstschleifen gestellt. Formbedingt habe ich hierzu erst mal folgende Hilfswerkzeuge gebastelt: Schmirgelfeilen.


(Wäre es schon Sommer hätte ich hierfür vermutlich Eisstiele verwendet…)

Schwierig war auch die Auswahl des Holzes für die Messlatte. Letztendlich bin ich bei einem unbesäumten, massiven Douglasien-Brett aus dem Bauhaus (!) gelandet.


Manche Idee hat sich als nicht wirklich clever „beinhaltet Optimierungspotenzial“ herausgestellt, so die angebohrten Löcher: Sauber geschnittene Löcher sind a) nicht ganz so einfach wie gedacht zu fertigen (Tipp: Fräser verwenden!) und b) muss man(n) beim Ölen (nach dem Hobeln, Schleifen, Wässern und Schleifen) das Öl wieder aus den Sacklöchern kriegen und c) sagt das Kind dann schockiert „Ui, kaputt!“ . . .


Für die Befestigung haben wir Möbelbeschläge wie für Hängeschränkchen verwendet. Und so sieht das Ganze nun aus:


Wobei das wirklich interessante Detail bei diesem Foto das dunkle Ding in der rechten Bildmitte ist. Nennt sich Türklinke und hat in unserem Haus (nach wie vor) Seltenheitswert, wurde aber ebenfalls an diesem Wochenende an dieser Tür montiert und wäre fast einen eigenen Blog-Beitrag wert (u. a. deshalb, warum es durchaus sinnvoll ist zu überlegen, welche Seite man absägt, aber lassen wir das).

Etwas detaillierter:


Die „Blasen“ als Maßlinie im 2 cm – Abstand und mit dickeren Durchmessern alle 10 cm, Unterkante liegt bei 40 cm, die Seesterne mit cm-Angaben alle 20 cm beginnend bei 50 cm, während die Schnauzen der Haie (die im Übrigen mit Epoxid-Kleber auf dem geölten Brett befestigt wurden) mit den prägnanten Datumsangaben (feige nicht mit Pinsel sondern mit Lackmalstift „Marabu BRILLIANT painter Fineliner“) auf die jeweilige Größe zeigen, beginnend bei der Geburt :-) 

Einen weiteren eigenen Blog-Beitrag wäre das „Heimwerker-Syndrom“ wert, aber okay, lassen wir die Selbstkasteiung und überlassen uns der Freude:



*Hai-Vieh 

Sonntag, 14. April 2013

Eigentlich ...


wollte ich ja keine Lautsprecher mehr bauen.

Zumindest nicht für mich selber, für Freunde natürlich weiterhin aber das ist eine andere Geschichte.

Zumindest wollte ich jedenfalls keine Lautsprecherchassis mehr kaufen; der Schrank mit Material für mindestens fünf Paar Top-Lautsprecher hat immer noch keinen Platz gefunden und steht deshalb immer noch in Lonsee ....

Aber hier konnte ich einfach nicht widerstehen. Ein Paar hübsche Phillips-Breitbänder aus der Röhren-Ära für kleines Geld bei ebay. Manchmal biete ich (heimlich, meine Frau darf das natürlich nicht wissen) bei solchen Schätzchen mit - etwa ein Zehntel dessen, was sie wert sind - das reicht dann für eine Woche träumen. Kriegen tue ich sie für den Preis ja doch nicht. Meistens.

Eigentlich hätte ich ja dringendere Dinge zu erledigen, aber die Neugier war zu groß. Also kurz eine Schallwand gebaut, aus praktischen Gründen im Prinzip eine Box ohne Rückwand. Ohne Schnickschnack. Gefühlt passende Größe: 30 cm breit, 120 hoch, 20 tief. Um mal zu schauen, wie die Kleinen klingen. Denn berechnen kann man solche Boxen kaum, das ist eher eine Sache von Trial and Error.

Wenn's denn gut klingt, dann kriegen sie natürlich eine standesgemäße Behausung. Aus dünnem Holz, schön furniert mit nicht-parallelen Wänden, leicht gerundet im Stil der Zeit aus der sie stammen.

Und es klingt. Ohne jede Korrektur, nur Draht zwischen (Röhren-) Verstärker und Lautsprecher. Bisher nur aus dem PC gespeist *Stilbruch*

Und es klingt richtig gut ! Bei nächster Gelegenheit kommt mein Zweitplattenspieler mit DIY-Vorstufe dran. Das wird sicher interessant ! Und dann vielleicht noch ein (Dipol-) Subwoofer dazu ... Und die Gehäuse etwas breiter, so in der Art BxHxT 50x40x25

Die einzige Frage ist: Wohin stellen ? Ich habe leider erheblich mehr (gute) Lautsprecher als Räume :-(
Vielleicht findet sich ja ein neues Herrchen (oder Frauchen) für die Kleinen, das ihnen ein schönes Zuhause gibt. Verdient hätten sie es: Songbird von Eva Cassidy aufgelegt, ein paar Minuten Aufwärmzeit für die Röhren und dann: Gänsehaut !

Das ist Highend vom Feinsten, für eine Handvoll Euro. Mal ehrlich: Da spielt ein Verstärker für dreihundert Euro und ein Paar Lautsprecher für weniger als hundert. Ich habe schon (öfter) Anlagen gehört, die zehnmal so teuer sindund bei weitem nicht so gut klingen.

Zugegeben, nichts für Freunde der härteren Gangart. Nix AC/DC. Dafür Streichquartett oder Stimme und Gitarre.

Ich habe es eigentlich noch nie bereut, wenn ich Dipol-Lautsprecher gebaut habe, Music does not live in Boxes !

Till




Sonntag, 7. April 2013

Ein selbstgebauter Hobel


ist eine feine Sache. Mal ganz grundsätzlich gesehen. Die Frage ist natürlich, ob man sich das ohne Not antut. Wenn man die Preise für gebrauchte Hobel bei ebay in Betracht zieht, ist alleine das Material erheblich teurer als ein kompletter Hobel. Bei Spezialitäten sieht die Sache anders aus.

Konkret ging es um folgendes Problem:


Der Maler hatte beim Lackieren der Türen eine Reihe von Lackflecken auf den frischgeölten Dielen hinterlassen. Als wir das bemerkt haben, war es zu spät, um diese mit Lösungsmitteln zu entfernen. Die Hemmschwelle, dem grade renovierten Boden mit scharfem Werkzeug zu Leibe zu rücken erwies sich als ziemlich hoch. Ich habe fast ein Jahr gebraucht, um sie zu überwinden ;-)

Die Flecken einfach mit einem Stechbeitel wegzuschaben erschien mir aber immer noch zu riskant. Nach längerem Überlegen [sic] erschien mir ein sehr schmaler Ecken-Simshobel das geeignete Werkzeug zu sein. Den gibt es natürlich nicht zu kaufen, also ist basteln angesagt ;-)

Das war leider nicht ganz so einfach, wie gedacht: Die ursprüngliche Idee, eine angeschliffene Feile per Schraube auf einen schmalen Holzkörper zu klemmen, scheiterte an der dafür notwendigen Bohrung. Ich hielt das für eine gute Gelegenheit, meine irgendwann mal günstig erstandenen VHM-Bohrer auszuprobieren, was zunächst auch ganz gut funktionierte. Doch als der Bohrer mit der Spitze durch die Feile durch war, verhakte er sich und *knack*, das war's für Feile und Bohrer :-(

Nach einem Abend Frust und der kurzen Versuchung, die zerbrochene Feile (zu dem Bohrer) in den Müll zu werfen dann die Idee: Warum nicht aus der Not eine Tugend machen !

Was ich eigentlich haben wollte, war kein "echter Hobel", sondern ein Werkzeug, mit dem ich feinfühlig quasi am Holz vorbei den Lack wegschaben kann. Das bedeutet, ich muss die Einstellung des Eisens während der Arbeit jederzeit um ein ganz klein wenig ändern können. Das wurde mir klar, als ich das Eisen nur per Hand auf dem "Hobelkörper" fixiert an einem Holzstückchen getestet hatte, um herauszufinden, ob der Anschliff passt.

Die Lösung sieht man oben. Das abgebrochene Stückchen Feile (Fase nach unten, sieht man deshalb nicht) mit Teppichklebeband auf den Körper geklebt, darauf dann wieder mit Klebeband ein Stückchen Holz. 

Durch entsprechenden Druck mit dem Finger auf das Holzstückchen kann man sehr feinfühlig die Position (Tiefe und Winkel) des "Hobeleisens" beeinflussen und so ganz genau dem krummen Holzverlauf der Bodendielen folgen. 

Bei den ersten Tests gelang die Entfernung der Farbe dann auch praktisch ohne Verletzung des Bodens, hier sieht man das Ergebnis direkt nach dem Abtragen der Farbe. Es ist zwar erkennbar, wo gekratzt wurde, das liegt aber hauptsächlich an der jetzt unterschiedlichen Rauhigkeit der Oberfläche.



Behandelt nur mit etwas Parkett-Pflegemittel ist das auf dem Foto schon fast nicht mehr erkennbar, in Realität muss man schon sehr genau hinschauen. Ich denke, dass leichtes Verschleifen mit einem haushaltsüblichen Stahlwolle-Schwämmchen und danach eine Behandlung mit Wachs-Auffrischer ein unsichtbares Ergebnis erzeugen werden.


Leider hat die Zeit nicht mehr gereicht, um alle betroffenen Stellen zu behandeln, das (und das ist der eigentliche Grund, warum ich mich bisher nicht daran gemacht habe) sind nämlich eine ganze Menge ...
aber nicht mehr lange und die Spuren des Malers sind getilgt !

Till

Montag, 1. April 2013

Spieglein Spieglein an der Wand ....


aber wehe, man will einen Spiegel so fotografieren, dass man sich nicht selber drin sieht .....

Nach ein paar Versuchen und etwas Nachdenken die einfache Lösung: Spiegel auf den Boden, schräg von oben fotografieren, dann spiegelt sich nur die weiße Decke. Den perspektivischen Fehler kann man ja nachher leicht korrigieren. Wenn man denn ein Bildbearbeitungsprogramm hat. Photoshop ist auf dem Laptop und der steht im Büro. Hier ist gar nix *grrrr* Und es ist schon Montag, also ein schräger Spiegel.

Aber worum geht es eigentlich ?

Wir hatten ja bereits vor längerer Zeit Bad und WC meiner Mutter renoviert und da fehle jetzt noch ein Spiegel. Die Möbel im WC sind selbst gebaut, von meinem Bruder in feinem Mahagoni. Der Spiegel sollte natürlich dazu passen. Also (mal wieder) Selbstbau ;-)

Das ist auch kein allzu großes Problem, vier Leisten auf Gehrung gesägt, gehobelt und gefalzt. Zusammengeleimt und gut. Der erfahrene Heimwerker legt vor dem Leimen alles mal "trocken" zusammen und stellt dann fest: Passt nicht. HÄ ?

Nach längerer Fehlersuche stellte sich heraus, dass mein ehrwürdiger Gehrungswinkel (ein Erbstück) leider nur ungefähr 44 Grad hat :-(

Früher sagten wir immer "Wer Plastik kennt nimmt Stahl" - ich bin von Hause aus Polymerphysiker .... ab sofort keine Messwerkzeuge mehr aus Holz !

Das hat den Spiegel etwas kleiner werden lassen und einen schnuckligen neuen Winkel in meinen Besitz gelangen lassen ;-) Das klingt jetzt so passiv: Ich hab den alten Winkel unter kräftigem Schimpfen sofort entsorgt und bei meinem nächsten Aufenthalt in der Großstadt meinem Lieblings-Werkzeugdealer einen Besuch abgestattet.

Was meine unzulänglichen Fotokünste leider nicht so recht rüber bringen können ist die Anfass-Qualität dieses wunderschönen Holzes. Ich glaube kaum, dass man sowas irgendwo kaufen kann, und wenn, dann zu einem absurden Preis. DIY rulez !

Till



Sonntag, 24. März 2013

Über die Vorteile von Schraubverschlüssen


Nein, wir waren nicht wegen der Waffen, Schaffelle, Jagdhunde, Lederkleider oder Torten der Landfrauen im Februar auf der diesjährigen „Jagd- und Fischereimesse“ in Ulm. Es ging allerdings durchaus um die Jagd – auf Ballistol. Für Tills Hobel.
Gestern habe ich ein wenig meinem neuen Laster, dem Bumerang-Bau, gefrönt. Für die allererste grobe Bearbeitung der Schrägkante nehme ich da gerne mal einen kleinen Surform-Hobel zu Hilfe. Währenddessen hat Till seine Kiste vervollständigt, Hobeleisen in die japanischen Modelle eingepasst und zum Schluss alle Metallteile schön gepflegt, mit besagtem Öl.

Als ich dann am Abend pflichtbewusst aufräumen wollte, hat mich beim Öffnen des aktuellen Heiligtums ein unerwartetes Bild überrascht. Unter einem Ölbad stellt man sich üblicherweise etwas anderes vor, aber ich kann das, was ich gesehen habe, nicht anders beschreiben. Außer so: Stellen sie sich eine geschlossene Holzkiste vor, in der gerade eben 200 ml Öl ausgelaufen sind.
WEIL – und deshalb dieser Blogbeitrag, denn unser Anliegen war ja schon während der Dokumentation unserer Renovierungsmaßnahmen, anderen Menschen zu helfen, unsere Fehler bei ihren eigenen Projekten vermeiden zu können – der Gatte die Dose, wohlgemerkt ohne Deckel, in das oberste Fach gestellt hat. Und – zugegebenermaßen richtig blöder Zufall – ist die Dose ziemlich genau um die Sprühknopfhöhe hierfür zu hoch. Soll heißen, beim Schließen hat der doch massive Deckel der Kiste den Sprühmechanismus betätigt, was zu beschriebenem Ölbad und diversen nicht jugendfreien Flüchen geführt hat. Und wow, eine ausgelaufene Dose Ballistol bringt wahrlich Wohlgerüche ins ganze Haus. Aber, das muss man zugeben, eine echt gute Holz-Imprägnierung. Wenn vermutlich auch so ziemlich die teuerste aller Varianten ;-)

Das nächste Ballistol gibt’s als Flasche mit Schraubverschluss. Definitiv.

Sonntag, 17. März 2013

Nein, kein Sarg ....


sondern eine Werkzeugkiste.

Genauer gesagt eine Wohnung für meine Hobel. Ich habe ja seit einiger Zeit die Freuden des Hand-Hobelns entdeckt und mich auch mit entsprechendem Werkzeug versorgt, zum Teil alte Schätzchen aus dem Keller, zum Teil von ebay und zum Teil  ganz feines Spielzeug aus Japan und von Lie-Nielsen. Da kommt dann doch schnell einiges zusammen (und ein paar Kleinigkeiten fehlen auch noch ;-)

Also musste eine Behausung her, denn im normalen (überfüllten, manchmal leicht chaotischen) Werkzeugschrank würden die empfindlichen Hobel schnell Schaden nehmen. Außerdem ist unser Keller zumindest zu manchen Zeiten relativ feucht, in der Übergangszeit kann das schnell mal in der Spitze 80% erreichen.

Für Präzisionsinstrumente (vor allem für solche aus Holz) ist das Gift. Ein abgeschlossener Kasten setzt Schwankungen der Luftfeuchtigkeit zumindest etwas Widerstand entgegen. Mal schauen, wir sich die Werte entwickeln, ein Datenlogger liegt schon drin. Sollte das nicht reichen, werde ich vermutlich im nächsten Versuch eine Heizung in die Kiste einbauen .... Schau mer mal.

Und schlimmstenfalls wird die Kiste eben aus dem Keller nach oben gebracht, deshalb die Griffe.

Da ich erstens noch nicht sicher weiß, wie die Konstruktion wg. Luftfeuchtigkeit funktioniert und sich zweitens mein Werkzeugbestand vermutlich vergrößern wird, wollte ich nicht zu viel Arbeit in diese erste Version stecken. Da aber Provisorien meist länger leben als geplant, habe ich mir doch zumindest ein paar Gedanken bei der Materialauswahl gemacht.


Korpus, Deckel und die Einsatzkästen bestehen aus sehr leichtem Paulownia-Leimholz. Da das aber auch sehr empfindlich gegenüber Stößen ist, ist der Sockel mit Fichtenleisten verstärkt. Um das optisch wieder aufzugreifen (und den Staub draußen zu halten), gibt es am Übergang Deckel zu Korpus eine umlaufende Dichtleiste. Der aufgedoppelte Deckel sorgt hoffentlich für etwas Stabilität, vermutlich wird die Kiste öfter mal als Ablage mißbraucht.

Der Boden muß erheblich wiederstandsfähiger - insbesondere gegen Feuchtigkeit - sein. Deshalb habe ich an dieser Stelle wasserfeste Siebdruckplatte verwendet. Das war's dann aber auch in Richtung Schnickschnack, also keine handgefertigten Schwalbenschwänze sondern Domino-Dübel.

Die Kiste hat derzeit zwei, später drei Ebenen: Unten befinden sich die größeren Hobel, in der zweiten Ebene die kleineren sowie Meß- und Anreißwerkzeuge. Rechts an der Seite ist eine Halterung für Stemmeisen. Die dritte Ebene ist der Deckel, hier werden zukünftig Sägen untergebracht. Da ich mir hier noch nicht im Klaren darüber bin, ob ich für die Feinarbeiten japanische oder westliche Sägen verwenden werde, kommen hier zunächst noch keine festen Halterungen rein.

Mal schauen, wie lange der Platz reicht ;-)

Till

Sonntag, 10. März 2013

Lepus Pascha


Bekanntlich habe ich es ja absolut nicht mit Deko(-Kram) im und am und vor dem Haus. Aber als ich „Das clevere Laubsäge-Buch“ (TOPP-Verlag) durchgeblättert habe, konnte ich dem nachfolgenden Freund nur unschwer widerstehen:


Allerdings habe ich mich dafür entschieden, das nur grob gehobelte Fichtenbrett komplett unbehandelt zu lassen und habe die Augen mit dem Bohrer gesetzt. Bearbeitung durch Stichsäge & Raspel.

Wie kommt man zu mehr? Man setzt einen Gefährten dazu:


Und lässt die Beiden über Nacht in einem engen, kuscheligen Stall alleine. Und tatsächlich! Es hat funktioniert:


:-) 

Ostern kann kommen! 

Sonntag, 3. März 2013

Und was hat Guiness damit zu tun?


Bitte schauen Sie sich das nachfolgende Bild an, dann kommen Sie von gaaaaanz alleine auf die Lösung:


Bildtitel: Bumerang auf dem Rückweg mit glücklicher Frau.

Die Frau bin ich.

Und wenn Sie sich dann nochmals vor Augen halten, wie viele angefangene und unangefangene Projekte wir so um uns herum liegen haben, wird Ihnen die Rolle des Guiness dabei absolut deutlich ;-)

Sie brauchen also:
  • Den Freund, mit dem Sie neulich im Irish Pub waren.
  • Einen lieben Ehemann.
  • Einen Baby- und einen Dogsitter.
  • Einen Bleistift.
  • Wellpappe für die Musterflügelerstellung.
  • Ein Hirn für die Flügelform.
  • Ein Messer zum Ausschneiden der Flügelform.
  • Geeignetes Holz (und das ist nicht unbedingt das Sperrholz aus dem Bauhaus).
  • Geodreieck, Zirkel, Lineal sowie eine ruhige Hand (wenn möglich auch ohne Guiness).
  • Eine Stichsäge.
  • Einen Bandschleifer.
  • Pflaster.
  • Diverse Raspeln und Feilen.
  • Einen Schraubstock.
  • Epoxidharz oder anderen passenden Spachtel.
  • 120er sowie 180er oder 240er Schleifpapier.
  • Öl (wenn Sie ölen wollen; sonst Lack).
  • Ansonsten noch eine mit einer hervorragenden Note abgeschlossene Promotion in Strömungsmechanik und einen gültigen Pilotenschein für einen Airbus (Sie müssen „The Beast“ ja schließlich mit einer Feile ein NACA-Profil aufzwängen).
  • Oder wahlweise viel Gefühl.

Dann haben Sie irgendwann stolz so etwas fertig:


Schön ist er schon mal, da sind wir uns alle einig. Das Praktische am Sperrholz ist auch, dass man über die Schichten einen ziemlich guten optischen Eindruck bezüglich der Profilform und Genauigkeit gewinnen kann.

Aber fliegt er auch?


Yep!

Und – kehrt er auch heim?


F… :-) 

Nun gibt es allerdings tatsächlich folgende Flugberichte zu dokumentieren:

Werfer 1: Bumerang fliegt mit viel Schwung & Drall schön parallel zum Boden, steigt dann – meist kurz nach der Wende – sehr steil auf, kreuzt irgendwie die eigene Flugbahn von zuvor und stürzt dann mehr oder weniger ab.

Werfer(in) 2: Bumerang fliegt ohne viel Schwung & Drall schön parallel zum Boden, beschreibt eine Wendung – und verhungert ganz ganz böse auf dem Rückweg. Das aber sehr reproduzierbar ;-) 

Soll heißen: Mit so richtig guten Tipps und Tricks was Profile & Formen betrifft kann ich im Augenblick noch nicht dienen, da zur Beurteilung zum einen erst noch an den Wurftechniken gearbeitet werden muss ;-) und zum anderen werden wir jetzt ausgehend vom Referenzmuster mit Variationen zur Beurteilung der Flugfähigkeiten anfangen.

Aber – es macht total viel Spaß!
Man muss anmerken: Wir haben doch auch ein paar ganz gute Flüge hinbekommen. Ein paar Mal konnte man das Ding wirklich schön im Kreis fliegen lassen. Dann, wenn der Vertikalwinkel nur etwa 10° betrug und der Horizontalwinkel bei ca. 25° lag. Dann hat es ein paar Mal durchaus recht gut geklappt. Meine Merkregel hierzu: „Schleuder das Ding in die Sonne!“ Blöd nur, dass sich die Erde dreht… *g* 

Und nein – das Wetter war perfekt geeignet, so oft, wie wir uns bücken mussten!

Sonntag, 24. Februar 2013

Es ist bedenklich, wenn die Provisorien immer professioneller werden ....

was bisher immer noch fehlt(e) war die Beleuchtung oben im Treppenhaus. Eigentlich soll das ja eine komplexe, indirekte Eigenkonstruktion werden, realistisch gesehen wird die aber weder in diesem noch im nächsten Jahr fertig werden ....

Also ein eher langfristiges Provisorium: Wieder eine Leuchte inzwischen vertrauter Bauart, diesmal aber automatisch über die Umgebungshelligkeit gesteuert. Eine Aufgabe des Lichts im Treppenhaus ist die Nachtbeleuchtung, falls unsere Tochter nachts den Gang kreuzen will, um vom Kinderzimmer ins Bad oder ins elterliche Schlafzimmer zu gelangen.


Die Ansteuerung ist im wesentlichen die endgültige, wie bereits hier beschrieben ein Arduino-kompatibler Mikrocontroller mit einem Helligkeitssensor. Beim ersten Versuch war das ein Phototransistor, der war aber nicht empfindlich genug. Deshalb jetzt die zweite Version mit einer Photodiode (BPW34), die hier nach dem gleichen Prinzip wie eine Solarzelle betrieben wird, gemessen wird die Photospannung.

Für die E-Techniker unter uns: Das ist zwar nicht besonders genau, es geht hier aber auch nicht um die Messung der Helligkeit, sondern nur um die Unterscheidung zwischen Tag und Nacht. Dafür ist das die einfachste Lösung, die Diode liefert genug Strom für den Analogeingang des Controllers, es wir kein zusätzlicher Verstärker benötigt: Die Lehrbuchlösung - die Messung des Photostromsmit einem Transimpedanzverstärker - wäre hier Overkill. A propos Overkill: Ein Mikrocontroller zur Steuerung einer Leuchte sieht verdächtig genau danach aus .... ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass die Funktion der Lampe relativ komplex ist. Es gibt zwei verschiedene Betriebsarten, entweder volle Helligkeit an/aus durch manuelle Betätigung des Schalters oder Nachtlicht bei geringer Umgebungshelligkeit. Das soll dann auch nicht immer angehen, wenn jemand etwa beim Vorbeigehen kurz den Sensor abdeckt. Das als diskrete analoge Schaltung zu bauen ist zwar möglich, aber viel mehr Aufwand als die gleicheFunktion in Software zu realisieren.

Da die Leuchte nur genug Licht zur Orientierung liefern muss, dafür aber lange läuft, ist Energie sparen angesagt: Die LEDs leuchten nicht ständig, sondern werden etwa 150 mal pro Sekunde ein- und ausgeschaltet:



Die Ein-Phase dauert eine Millisekunde, die Aus-Phase etwa 5 mal so lang. Die LEDs benötigen bei Dauerbetrieb etwa 6 Watt, so ergibt sich ein Gesamtverbrauch von etwa einem Watt.

Außerdem hat das den entscheidenden Vorteil, dass die Photodiode nicht das Licht der eigenen Lampe misst: Die LED werden direkt nach der Messung eingeschaltet, vor der nächsten Messung bleibt also genug Zeit, in der die Photodiode ihre Ladung loswerden kann. Bei höheren Schaltfrequenzen müsste man hier vermutlich mehr Aufwand treiben.

Till

Sonntag, 17. Februar 2013

Mal was neues ...



am Freitag war ich bei einem Workshop zum Thema Hobel mit Thomas Lie Nielsen bei Dictum in München.

Thomas, der Chef von  Lie Nielsen Toolworks, ein Hersteller exzellenter Handhobel, ist ein sehr freundlicher Mensch und ein hervorragender Referent (was gar nicht so verwunderlich ist, wenn man weiß, dass er im Hauptfach Englisch studiert hat und nicht etwa Maschinenbau ;-). Schwerpunkt des Seminars war das Schärfen von Hobeleisen und das Einstellen von (Metall-) Hobeln.

Da ich in letzter Zeit immer mehr Spaß an der Arbeit mit Massivholz habe, hatte ich beschlossen, mir nachträglich zum Geburtstag einen (guten) Hobel zu schenken. Bei der Suche bin ich dann bei Dictum  gelandet und über den Workshop gestolpert. Da ich dabei zumindest die verschiedenen Modelle ausprobieren konnte, habe ich die Gelegenheit sofort beim Schopf gepackt.

Und das hat sich mehr als gelohnt ! Ich habe nicht nur gelernt, wie man ein Hobeleisen richtig schärft und einen Hobel richtig einstellt (wie man das "mit der Hand am Arm" und einem mittelmäßigen Ergebnis macht, wußte ich schon vorher), sondern auch mal wieder am eigenen Leib erfahren, wie viel Spaß die Arbeit mit hervorragendem Werkzeug macht. Und nur dieses sollte man sich dann auch kaufen.

Das hab ich dann auch gemacht und mir das Schmuckstück auf dem Bild oben mitgenommen ;-)

Fazit: Sowohl die Hobel von Lie Nielsen als auch die Kurswerkstatt bei Dictum in München sind ausgesprochen empfehlenswert.

Auf zum Hobeln ....

Till

Sonntag, 10. Februar 2013

Eine G-a-r-d-e-r-o-b-e


lautet die Antwort. Naja, korrekterweise zwei, für beide R‘s:

 
Und:


Ansonsten gerade krankheitsbedingte Pause :-(

Sonntag, 3. Februar 2013

Eine hässliche Entdeckung


Da war ein Moment Stille in der Leitung, als ich am Montag „Herr Weng, wir brauchen Sie ganz dringend, wir haben Schimmel im Schlafzimmer!“ gesagt hatte. Denn DAMIT hat nun mit Sicherheit NIEMAND von uns gerechnet – nachdem wir das ganze Projekt von Anfang an stark auf die Vermeidung exakt dieser Thematik ausgelegt hatten, alles diffusionsoffen, keine Schränke an den Außenwänden, entsprechende Lüftungsstrategie, Überprüfung der Klimaverhältnisse mittels Datenlogger etc. Das war irgendwie schon ein bisschen ein Schock, als wir uns vor einer exakt einer Woche dieser Entdeckung:


stellen mussten.

Es handelt sich um die Außenwand Richtung Straße und wir hatten hier in immerhin 10 – 15 cm Abstand ein 80 cm hohes Schränkchen stehen. Das (im übrigens ebenfalls an der Seitenwand bereits angegriffen war) haben wir sofort weg geräumt und dann auf Herrn Weng gewartet, der Donnerstag zur Beurteilung kam. Bis dahin hatten wir auch schon eine Theorie, da hier nämlich die Bodenplatte des Balkons endet – eine klassische Kältebrücke. Die Messung der Wandtemperatur und der Feuchtigkeit hat dann Aufschluss gebracht: Diese Wand ist im befallenen Bereich fast 4°C kälter als die anderen und damit auch deutlich unter der Norm. Und klatschnass. Wobei die Messung der Feuchtigkeit ein interessantes Muster (siehe Linien) ergeben hat:


Sprich: Wir haben hier relativ klar abgetrennte Bereiche nach oben und unten. Nur durch eine Kältebrücke lässt sich das nicht erklären. Nein, die bittere Wahrheit ist, dass der Balkon wohl nicht richtig abgedichtet ist. Dass der wohl nicht ganz koscher ist, war bekannt – aber niemand hätte mit diesen Auswirkungen gerechnet, vor allem, da die Wand bei der Renovierung keinerlei Auffälligkeiten gezeigt hatte. Aber: Bisschen veränderte Nutzung, bisschen andere Bedingungen, ein paar mächtig kalte Tage wie die vor Weihnachten – und BUMM! L Vermutlich auch ein paar Steine, die Feuchtigkeit ziehen.

Da wir ja messtechnisch einigermaßen vernünftig ausgestattet sind, haben wir die Wandtemperaturen auch nochmals mittels Infrarotthermometer verfolgt: Im Bereich des Schimmelfleckens lag die Temperatur fast 4°C unterhalb der Werte in der Mitte dieser Wand. Die Ecke liegt dazwischen.

Wir hatten auch gleich am Sonntag nochmals einen Datenlogger ins Schlafzimmer gelegt, aber der hat eigentlich nur unsere konstanten und doch eher niedrigen Feuchtigkeitswerte (blau) bestätigt – wir liegen meist zwischen 55 und 50 % rel.:


Also waren auch mit einem Schlag alle schönen Bastelpläne hinfällig und der Plan für den gestrigen Samstag stand fest:


Mechanische Entfernung mit gleichzeitiger Absaugung – so sieht der Schimmel keine Notwendigkeit, heftig zu reagieren (im Gegensatz zu anderen Methoden, z. B. dem Aufsprühen von Schimmeltod, das den Schimmel veranlasst, mit letzter Kraft in letzter Sekunde noch unendliche Mengen von Sporen abzustoßen) – natürlich trotzdem mit Atemschutz, Abdeckung und hinterher ausführlichen Putzaktionen.

Immer wieder erstaunlich, wie schnell man ein normales Zimmer wieder in eine Baustelle verwandeln kann:


Die Temperaturen lagen an der offenen Wand übrigens so ungefähr 1,5°C unter den zuvor gemessen auf dem Putz. Eine Veränderung nach einem Tag hat sich nicht feststellen lassen.

Tja, das wird eine größere (und teure) Angelegenheit. Jetzt müssen wir mal wieder mit Handwerkern reden, Termine planen etc. Und der Vorgarten, den wir eigentlich im März anlegen wollten, fällt dieser hässlichen Entdeckung auch zum Opfer…
So ist das mit alten Häusern halt manchmal, das gehört eben auch dazu.

L

P.S.: Dafür ist unser Heizkörper am Freitag abgedichtet worden.